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Ziel unserer heutigen Exkursion war der nach langjähriger Umbauphase Mitte September 2016 eingeweihte IP Internationaler Platz Vogelsang oberhalb der Urfttalsperre bei Schleiden-Gemünd.

Mit 46 Teilnehmern startete unsere Ortsgruppe zu einer informativen, aber auch nachdenklichen Exkursion in die Nordeifel. Wenn auch die nasskalten Frühjahrsschauer die eindrucksvolle Hocheifellandschaft zunächst etwas beeinträchtigten, zeigte diese sich spätestens bei der Rückfahrt im langsam erwachenden Frühlingsstaat. Bereits während der Fahrt durch den Reiseleiter Manfred Kaiser in Kurzform über Sinn und Aufgabe der Anlage instruiert, erreichten wir überpünktlich das erste Tagesziel: die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang, majestätisch protzend und drohend in der Topographie über der Urfttalsperre sich erhebend. Der Kölner Architekt Clemens Klotz errichtete hier im Stil der Zeit ein für die Ewigkeit geplantes Zeugnis diktatorischer Baugesinnung . Zunächst beeindruckte die neu gestaltete, architektonisch hervorragend gelungene Eingangssituation „Forum Vogelsang“.
Nach kurzer Einführung in die Thematik dieser Anstalt erfuhren wir in 90 Minuten während eines Vortrages in einem ehemaligen Kameradschaftshaus mit anschließender Geländebegehung alles Wichtige über diese Anstalt, die 1934 bis 1941 als eine von drei „Ordensburgen“ für den Parteinachwuchs der NSDAP durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF), der deutschen Einheitsgewerkschaft, unter Reichsleiter Dr. Robert Ley errichtet wurde. Die beiden anderen waren Kössinsee in Pommern und Sonthofen im Allgäu. In dem 1936 begonnenen und bereits 1939 mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beendeten Lehrbetrieb wurden die Ordensjunker, wie sie sich selbstbewusst nannten, ideologisch und sportlich ausgebildet. Sie sollten schließlich dem Idealbild eines „neuen deutschen Menschen“ nahekommen und als „Herrenmenschen“ auftreten. Mit Beginn des Krieges wurden der Lehrbetrieb eingestellt und die Lehrgangsteilnehmer eingezogen, wobei später Hunderte von ihnen in Polen, den Baltenstaaten, Weissrußland und der Ukraine in der zivilen Verwaltung eingesetzt wurden. Dort beteiligten sich viele als Täter und Mittäter an den deutschen Verbrechen. Von 1942 bis 1944 diente Vogelsang als Adolf-Hitler-Schule. 1945 zunächst von der US-Armee besetzt, errichteten 1946 die Engländer einen Truppenübungsplatz, bis 1950 die Belgier hier unter der Bezeichnung „Camp Vogelsang“ Besitz ergriffen und die Anlage bis 2005 führten.
Die beeindruckende Dokumentation im Besucherzentrum will als nachhaltige Mahnung zu Menschlichkeit und Toleranz begriffen werden. Deshalb ist es wichtig, dass gerade jungen Menschen hier in Vorträgen und Workshops Informationen angeboten werden über unsere unsägliche Vergangenheit. Seit 2006 entwickelt sich hier ein vollkommen neuer Ort unter dem Motto: „Vogelsang IP als „Internationaler Platz“ für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Erfreulich nahmen wir wahr die aufmerksamen und interessierten Gruppen vieler Jugendlicher und Erwachsener. Somit sind die in die 2016 mit 42 Mio. € fertiggestellte Anlage investierten Mittel nachhaltig und sinnvoll eingesetzt und zu verstehen.
An gleicher Stelle konnten wir im Besucherzentrum hautnah uns über die Institution Nationalpark informieren. Wissenschaftlich dokumentiert, allgemeinverständlich formuliert, erfährt man alles über „Natur Natur sein lassen“ und „Wildnis zulassen“.
Nach der Mittagspause erwarteten uns die beiden Gästeführerinnen in Monschau, die uns in einem einstündigen Rundgang Geschichte und Gegenwart dieser einst durch die Tuchmacher reich gewordenen Stadt kurzweilig und informativ vermittelten. Voll gestopft von Wissen und Erlebnis erlebten wir einen dem Eifelverein gebührenden Schlussausklang in zünftiger Ahr-Atmosphäre in Dernau, bevor wir um Erfahrungen und Wissen reicher unsere Heimat dank unserem umsichtigen Busfahrer erreichten.
Manfred Kaiser